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Kreuzberg kocht: Portraits – Interviews – Rezepte – Rezension

Ana Lichtwer vom Berliner Büchertisch e.V., Fotografin Anna Schroll und Literaturwissenschaftlerin Cornelia Temesvári haben zwei Jahre lang an diesem Buch gegart, gesotten und gearbeitet. 55 ungewöhnliche Rezepte sind das Ergebnis, Lieblingsrezepte von Visionären, Lebenskünstlern, Idealisten und ihren Initiativen aus dem Berliner Bezirk Kreuzberg. Sie verraten hier die Rezepte ihrer Leibspeisen, die übrigens alle noch einmal nachgekocht wurden und dadurch sozusagen TÜV-geprüft sind. Jedenfalls haben sich die Angaben für die Zutaten und ihre Verwendung doppelt bewährt. Die Ergebnisse wurden fotografiert, sehen reichlich lecker und appetitlich aus und machen ausgesprochen hungrig. Es ist ein „Buch mit Nähr- und Mehrwert“, das satt macht und Mut macht.

Nicht nur die „Prinzessinnengartenpizza“ oder der „Piratenzopf“ oder das „African Beef Stew mit Ugali und Fries Kales (Afrikanischer Rindergulasch mit Grieß und Grünkohl)“ wurden fotografiert, sondern auch die Köchinnen und Köche und Tafelrunden. Und alle erzählen eine Geschichte zum Rezept, nämlich ihre eigene.

Damit auch die Profi-Feinschmecker zu ihrem Recht kommen, finden sich auf den Seiten 264/2265 „Belugalinsen mit Minze & gerösteter Wachtelbrust“, ein Lieblingsrezept, das importiert wurde aus dem alljährlichen Gourmetzelt auf dem Chamissoplatz. Dort kochen dann anlässlich des Bergmannstraßenfestes richtig gute Kreuzberger Restaurantköche ihre besten Delikatessen ausnahmsweise zu volkstümlichen Preisen.

Kreuzberg kocht: Portraits - Interviews - Rezepte

Kreuzberg kocht: Portraits – Interviews – Rezepte

„KREUZBERG KOCHT ist die Essenz der Menschen hier, die nicht nur eine Sehnsucht haben, sondern diese Sehnsucht auch versuchen auszuleben“, schreibt Ana Lichtwer im Vorwort. Dann geht es auch schon los mit „Rote Bete-Carpaccio mit Zwiebelconfit und überbackenem Ziegenkäse“ vom Gartenstudio, dem ersten Rezept vom ersten Gang „Vorreiter & Vorspeisen“. Danach dann die Gänge „Unangepasstes & Unkompliziertes“, „Gesellschaftliches & Ganz Grünes“, „Hauptsachen & Hauptgerichte“, „Fortschreiter & Fortgeschrittenes“, „Nachhaltiges & Nachtische“ und last, but not least, „Idealisten & Ideen“. Das Buchteam selber ist natürlich auch mit dabei und macht den Abschluss mit „Süßkartoffelpuffer mit Feta & Minze“ sowie „Feldsalat mit Cranberries“.

Cornelia Temesvári erzählt, wie sie an die Rezepte herangekommen sind: „Also beim Forum Brasil war es so, dass da sogar zehn Köche gleichzeitig in der Küche standen, drei Gerichte gekocht haben und meinten: ‚OK, schreibt mal mit!‘ Und wir haben dann versucht zu rekonstruieren, was da passierte. Es war allerdings nicht so ganz einfach, weil sie zwischendurch auch noch anfingen, zu singen und zu erzählen und zu tanzen und sich zu streiten. Es war jedenfalls ausgesprochen lebhaft. Nachher sind wir zu den Leuten hingegangen und haben gesagt, ’so und so haben wir das jetzt mitgeschrieben‘. – ‚Nee‘, hieß es, ‚das muss ganz anders sein!‘ Und dann haben wir das Rezept eben noch einmal nachkochen lassen. Zum Teil haben die Leute uns die Rezepte auch zugeschickt. Das war dann leichter für uns.“

Wer nun bei all diesen Alternativitäten ein Buch erwartet, das so gebastelt aussieht wie Laubenpiepers Flickenteppich, der wird angenehm enttäuscht durch die gute und stabile Bindung, die professionellen Fotos, das augenfreundliche Layout und die übersichtliche Struktur. Ein Rezept-Register gehört dazu, es reicht von „Aioli (Koblauchkreme)“ bis „Zwiebel-Quiche“.

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