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Das Piratenkochbuch – Rezension

Viele Kochbücher versprechen neue und exotische Rezepte, die den Gaumen kitzeln und völlig neue kulinarische Erlebnisse eröffnen. Wenige Kochbücher aber können dieses Versprechen wirklich halten und sind dabei auch noch amüsant und lehrreich zu lesen. Dem Historiker und Naturwissenschaftler Wolfram zu Mondfeld aber ist der Spagat gelungen, ein solches Kochbuch vorzulegen. „Das Piratenkochbuch“ ist inzwischen ein moderner Klassiker und präsentiert Seemannsgarn und historisch korrekte, aber spannend aufbereitete Fakten gemischt mit Rezepten aus den Piratenkombüsen dieser Welt. Das unspektakulär kleine Büchlein umspannt drei Jahrtausende der Piratengeschichte, sieben Weltmeere und 150 Rezepte.

Wer das Piratenkochbuch von Wolfram zu Mondfeld aufschlägt, wird schnell in die faszinierende Welt der Seeräuber und Freibeuter, aber auch in viele verschiedene Epochen der Menschheit herein gezogen und kann durch das Umsetzen der tatsächlich praktikablen Rezepte aus aller Welt diese einzigartige Reise sinnlich erfahren.
Der Autor beginnt bei den alten Griechen und klärt auf sehr vergnügliche Weise darüber auf, dass der Trojanische Krieg ohne Piraterie gar nicht denkbar gewesen wäre. Neben den schlichten aber schmackhaften Rezepten aus der griechischen Küche erfährt der Leser auf sehr interessante Art, wie das Leben an Bord vor rund 3000 Jahren funktionierte und welche Lebensmittel und Getränke bis heute Einfluss auf die Küche des Mittelmeerraumes nehmen.

Auch die Nordmänner hat der Autor genau unter die Lupe genommen und verdeutlicht, warum die Wikinger zu den gefürchteten Seeräubern wurden, die Europa jahrhundertelang unsicher gemacht haben. Allerdings müssen kräftige Nordmänner auch kräftig essen, und so finden wir Rezepte für deftigen Kohltopf oder Wildfleischpfeffer mit Elch oder Rentier. Auch skurriles wie die „Diagnostische Zwiebelsuppe“ stellt der Autor vor. Diese Suppe wurde Kriegern mit Unterleibsverletzungen zu essen gegeben. Entströmte der Wunde anschließend Zwiebelgeruch, wussten die Nordmänner, dass der Patient ernsthaft verletzt war und weitere Hilfe keinen Sinn hatte. Trotz dieser sehr pragmatischen, aber etwas makaberen Geschichte ist die Zwiebelsuppe leicht zu kochen und ausgesprochen schmackhaft!

Das Piratenkochbuch

Das Piratenkochbuch

Bei den Vitalienbrüdern, den Piraten, die mit Klaus Störtebeker die Nord- und Ostsee unsicher machten, begegnen wir dann Rezepten, die heute noch in etwas abgewandelter Form berühmt sind für die norddeutsche Küche, wie der Labskaus oder der Hamburger Aaltopf. Nebenbei erfahren wir, wie viel Proviant den norddeutschen Piraten zustand – darunter gut vier Liter Bier am Tag.

Auch über die Boucanniers in der Karibik erfahren wir viel und können ihre Gerichte nachkochen, wie zum Beispiel das Chili con Carne auf Piratenart oder Tortillarezepte, da Tortillas in der Bordküche so praktisch zubereitet werden konnten. Auch ein karibisches Kakaogetränk finden wir hier, quasi den „Energydrink“ der Piraten unter heißer Sonne. Wer ein richtig großes Event feiern möchte, findet auch ein Rezept für „Boucannier-Schwein“, ausreichend für eine mittlere Piratenschiffsbesatzung. Man nehme: 3 bis 4 ganze Schweine…

Selbst die Piratenfürsten des Indischen Ozeans und die Piratenadmirale des Chinesischen Meeres stellt der Autor mit ihren Rezepten vor und verhilft dem Leser damit zu einer kulinarischen Weltreise quer durch alle Zeiten. Das Piratenkochbuch ist ein wirklich gelungenes Kochbuch voller interessanter Fakten, die mit Phantasie und Witz aufbereitet wurden und dazu ermuntern, den Speiseplan einmal auf eine ganz neue Art zu erweitern.

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