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Alles Poletto! – Rezension

Dass Claudia Poletto, Sterneköchin aus Hamburg, großen Wert auf frische, qualitativ hochwertige Zutaten legt, wissen Hobbyköche spätestens seit ihren TV-Auftritten in den Kochshows von Kerner und Lanz. Für alle, die die mediterran angehauchte Küche der beliebten Nachwuchsköchin am heimischen Herd ausprobieren möchten, empfiehlt sich ihr Buch „Alles Poletto!“, das 2006 im Gräfe und Unzer Verlag erschienen ist.

In dem sehr ansprechend gestalteten Kochbuch widmet Claudia Poletto ihren zehn Lieblingszutaten von der Artischocke über Bohnen, Lamm, Kabeljau bis zur Tomate jeweils ein eigenes Kapitel. Jedes dieser Lebensmittel wird ausführlich erklärt und die verschiedenen Sorten und ihre Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. Bis zu sechs verschiedene Rezepte, in denen Frau Poletto heimische Produkte mit südländischen Zutaten verbindet, findet der kochbegeisterte Leser zu jeder der Hauptzutaten. Die allgemeinen Küchentipps werden durch die Illustrationen mit farbigen Fotos sehr gut erklärt. Zusätzlich gibt Remigio Poletto, Sommelier und Ex-Mann der Autorin, eine passende Weinempfehlung zu jedem Gericht. Die sehr schön anzuschauenden Farbfotos von Fotograf Jan Brettschneider runden das Kochbuch ab.

Alles Poletto!

Alles Poletto!

Die Auswahl der Rezeptideen ist sehr abwechslungsreich, Zeit- und Mengenangaben sind recht genau. Allerdings ist das Auffinden einzelner Rezepte nicht unbedingt einfach, da die Anordnung keine bestimmte Reihenfolge erkennen lässt. Bei der Benutzung des Kochbuches muss der Leser deshalb sehr viel hin und her blättern. Nicht geeignet ist das Buch für Kochanfänger, zu kompliziert sind die einzelnen Vorbereitungen. Für einige Arbeiten wird ein Fingerspitzengefühl vorausgesetzt, über das nur geübte Hobbyköche verfügen dürften. Hier ist bei Neulingen das Misslingen der Zubereitung vorprogrammiert. Auch für die schnelle Zubereitung sind die Rezepte nicht ausgelegt. Wer jedoch Spaß daran hat, Kartoffelscheiben hauchdünn zu hobeln oder die Eier für den feinen Schokoladenpudding über Wasserdampf aufzuschlagen, wird das Buch zu schätzen wissen.

Ein großer Nachteil des Buches ist die genaue Zutatenvorgabe, die keine oder wenig Abweichungen zulässt. Zwar empfiehlt die Autorin beispielsweise die Verwendung von Dosentomaten, wenn die angegebenen frischen Früchten nicht vorhanden sind, doch etliche der Zutaten sind allenfalls in großstädtischen Feinkostläden zu bekommen. In ländlichen Regionen wird es dagegen ziemlich schwierig wenn nicht gar unmöglich sein, die geforderten verschiedenen Salzsorten oder Gewürze wie „Quatre épices“ zu kaufen. Auch einige der Fisch- und Fleischsorten sind oft nur in Großstädten oder in der Nähe von Meeresküsten erhältlich. So ist das Buch in erster Linie geeignet, sich Ideen für eigene Kreationen zu holen. Die angegebenen Rezepte machen Lust und Mut, auch ungewöhnliche Zutaten einfach einmal auszuprobieren.

Da das Buch sich nur auf die ausgewählten Lieblingszutaten der Autorin beschränkt, konnte daraus kein umfassender Ratgeber werden. Obstrezepte oder Rezepte für Süßspeisen außer Schokolade sucht der Hobbykoch vergeblich. Nur wenige der vorgestellten Gerichte sind alltagstauglich. Zu exquisite Zutaten und zu langwierige Zubereitung machen es eher zu einem Ratgeber für Essen in festlichem Rahmen. Das 192 Seiten starke großformatige Buch ist mit über 1.000 Gramm Gewicht recht schwer und etwas unhandlich.

Fazit: „Alles Poletto!“ ist ein hübsch anzuschauendes Kochbuch für geübte Köche, das den kochbegeisterten Lesern viele Anregungen für ein gelungenes Festmahl und gute Tipps für Zubereitung und die Auswahl eines passenden Weines gibt. Für Neulinge und das alltägliche Kochen ist es dagegen weniger geeignet.

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