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Die Bhikkhu-Diät

Der erlaubte persönliche Besitz Buddhistische Bettelmönche (mittelindisch: Bhikkhu) erschöpft sich zumeist in einer Almosenschale. Mit dieser ziehen die Männer bei ihrem Almosengang am Vormittag durch die Straßen, um von der religiös beseelten Bevölkerung Nahrungsspenden anzunehmen. Was die Menschen für die Mönche erübrigen können, landet unsortiert in der Almosenschale, deren Inhalt vor dem Mittag komplett verzehrt werden muss. Es ist die einzige Mahlzeit der Mönche und gleichzeitig die Einzige, die ihr strenger Glaube ihnen erlaubt. So weit, so exotisch asiatisch. Doch erstaunlicherweise gibt es für die hiesigen Wohlstandsbäuche und schwer vergoldeten Hüften von dieser wahrhaft außergewöhnlichen Art der Beköstigung eine Menge zu lernen. Und dieser Lehrstoff kann durchaus auch in unseren Breiten ein Wegweiser zum Wunschgewicht sein.

Regel 1: Nur einmal am Tag satt essen, und zwar vor der Mittagsstunde.

Beschränkt man die Nahrungszufuhr auf eine ausreichende Mahlzeit am Tag, dann hat das für die Verdauung und für den Stoffwechsel zahlreiche Vorteile:

  • Magen und Darm können ihre Arbeit sorgfältig, gründlich und ungestört verrichten.
  • Die Bauchspeicheldrüse muss nicht pausenlos auf neue Zwischenmahlzeiten reagieren.
  • Das sensible Insulin-Glukagon-System erhält die Gelegenheit, sich neu einzunorden.
  • Der Körper lernt wieder (neu?), benötigte Energien gezielt aus den Fettdepots zu holen.
  • Der Mensch hat den Rest des Tages den Kopf frei für wichtige Aufgaben und Arbeiten.
  • Beim Zubettgehen liegt nichts mehr „schwer im Magen“.
  • Bhikkhu-Diät

    Bhikkhu-Diät ©iStockphoto/Stockphoto4u

    Regel 2: Die Mahlzeit soll primär ausgewogen nähren. Der Geschmack ist gleichgültig

    Dem Bettelmönch kann es durchaus passieren, dass in seiner Almosenschale ein buntes Durcheinander von Reis, Ziegencurry, Linsen, Milch, Obst, Blutwurst, Honig und ranziger Butter landet. Diese Komposition enthält sämtliche dringend benötigten Nährstoffe und wird darum in Dankbarkeit und Demut vom Mönch verspeist. Der Geschmackssinn muss dabei devot hinter der Lebensnotwendigkeit zurücktreten. So wird der Mönch mit Sicherheit keinen sehnsuchtsvollen Blick in seine sauber leer geleckte Schale werfen oder gar von einem saftigen Nachschlag träumen. Er ist jetzt glücklich satt, und seine Zunge ist froh, dass sie die Angelegenheit für heute hinter sich hat. Wer jetzt unweigerlich an die nachgewiesen wirksamen Prinzipien der international anerkannten Shangri-La-Diät denkt, demonstriert den vollen Durchblick. Denn das Wesen der Shangri-La Diät ist es, dem fehlernährten Körper keinen verhängnisvoll verführerischen Wohlgeschmack, sondern ein leidenschaftsloses ernährungsphysiologisches Basisprogramm anzubieten. Damit wird von ganz allein sichergestellt, dass man nicht mehr isst, als man auch tatsächlich zum Leben braucht. Wer aber tatsächlich nur dann isst, wenn er wirklich Hunger hat, und dann auch nur gerade so viel, wie eben benötigt wird, der wird seine Speckgürtel bald nur noch aus der Erinnerung kennen. Oder, wie der Bhikkhu, solch unnötigen und unschönen Ballast gar nicht erst ansetzen.

    Zugegeben – sich in unserer Überflussgesellschaft konsequent wie ein Bhikkhu zu ernähren, fällt bestimmt nicht leicht. Aber mit den dahinschwindenden Pfunden wächst die Achtsamkeit vor dem eigenen Körper. Und natürlich auch die tiefe Dankbarkeit und Freude darüber, als freier Mensch selbstbestimmt in einer Welt von Üppigkeit in Hülle und Fülle leben zu dürfen.

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